Der Münchener Viktualienmarkt

Viktualienmarkt MünchenWer mich kennt, weiss, dass ich eigentlich nie bei irgendwas mitmache. Ich sing nicht mit, ich bete nicht mit, ich schütte mir kein Bier über den Kopf, oder trinke gar einen Kübel Eis auf ex und Blogstöckchen oder PR-Angebote können mir gestohlen bleiben. Aber wenn die Ironblogger München eine Blogparade mit dem Thema „München“ veranstalten, dann bin ich natürlich doch mit dabei, kreisen doch meine Beiträge ohnehin immer, sei es direkt oder indirekt, um meine geliebte Heimatstadt. Mein heutiges Thema soll der Viktualienmarkt sein.

„Viktualienmarkt“ mit V wie Valentin, gesprochen also eher wie ein F. Viktualien vom lateinischen victus, was so viel wie „Lebensmittel“ bedeutet. Der erste bayerische König Maximilian I. Joseph – das ist der, der vor der Oper sitzt – hat den Markt 1807 vom Marienplatz auf den Platz zwischen Heilig Geist und Frauenstrasse verlegen lassen. Seither ist er dort und bildet das wahre Herz Münchens.

viktualienmarkt3Für mich als Kind der Isarvorstadt, genauer gesagt dem Glockenbachviertel, war der Viktualienmarkt keine Sehenswürdigkeit, sondern der Ort, an dem ich mit meiner Mutter immer einkaufen ging. Dort haben wir Gemüse, Obst, Käse, Wurst und sowohl Weihnachtsgans als auch -baum besorgt. Schon seit den frühen achtziger Jahren gibt es in unserem Viertel keinen gescheiten Metzger, kein Milchgeschäft und keinen Obsttandler mehr, der „Kaisers Kaffee“ und die später nachfolgenden Supermärkte waren kein Ersatz für die zugrunde gerichteten Einzelhändler, allein blieb der Markt. Obwohl in circa zehn bis fünfzehn Minuten fussläufig zu erreichen war der Weg durch die Klenzestrasse über den Gärtner- und Reichenbachplatz für den kleinen Buben schon auch eine gefühlte Weltreise, für die dieser Bub immer auch zusätzlich motiviert werden musste. Neben den Marktfrauen, die immer auch ein Radl Wurst, ein paar Kirschen oder ein Stückerl Kas übrig hatten, musste meine Mutter mit mir auch stets am eigentlichen Highlight des Marktes halt machen: dem Gurkenstandl.

Dillsalzgurke ViktualienmarktFür meinen Vater, einen schlesischen Heimatvertriebenen, wurden dort ein paar Schlesische Gurkenhappen besorgt und ich bekam eine extra grosse Dillsalzgurke direkt aus dem Fassl, eingeschlagen in ein kleines Fetzerl Papier zum gleich essen auf die Hand.

Dillsalzgurke ViktualienmarktDas war für mich immer das Größte, der sauer salzige Saft spritzt beim Reinbeissen über das Kopfsteinpflaster und übers G’wand, dass es eine Freude ist. Alles zieht es einem zusammen, die Gesichtszüge entgleisen unweigerlich, so schön. Wie sagt man bei uns in Bayern? „Für den der’s mag, ist es das Höchste!“
Der Stand ist immer noch an der gleichen Stelle und immer noch zieht es mich bei jedem Besuch dort hin. Meine Kinder, die ich mit wechselndem Erfolg an diesen Genuss herangeführt habe, bekommen dort auch immer ein Gürkerl und müssen sich jedes Mal die gleiche bescheuerte Geschichte – die im übrigen gar nicht so wirklich wahr ist – anhören. Dass ihr Vater nach dem Krieg, immer statt einem Eis, immer nur so eine Gurke bekommen hat. Die Geschichte stimmt nur insoweit, dass der Krieg in den 70ern schon ein Bisserl her war und ich im Sommer schon auch ein Eis bekommen haben, nämlich im Eiscafé in der Reichenbachstrasse. Glauben Sie nur nicht, dass meine Mutter mit ihrem verzogenen Schrazen dort einfach vorbeigehen konnte.

viktualienmarkt4viktualienmarkt2Heute hat der Viktualienmarkt natürlich noch ein paar weitere Anziehungspunkte für mich, wie zum Beispiel der Biergarten in der Mitte, bei dem aus Gerechtigkeitsgründen den Münchener Brauereien gegenüber, immer ein anderes Bier ausgeschenkt wird. Der Kenner schaut entweder aufs Schild über dem Ausschank oder auf der offiziellen Website nach, ob das Bier geniessbar ist, denn nicht jedes Bier mag man bei uns in München trinken.

Weltoffen, wie wir Münchner sind, freuen wir uns auch ein paar ausländische Spezialiäten anbieten zu können, beliebt sind zum Beispiel die frischen Fischsemmeln oder die Austern vom Fisch-Witte, sowie französicher Käse, Weine oder Champagner, aber das ist natürlich nur was für die Grosskopferten, die Isarpreissen und die Schickeria. Holen Sie sich lieber eine dicke Dillsalzgurke für 30 Cent und schlendern sie mit sauer verzogenem Gesicht über den Markt, besuchen Sie die Brunnen der Münchner Komiker, Philosophen und Volksschauspieler, die dort verteilt sind, trinken Sie an den Tagen mit Augustiner oder Hofbräu ein Masserl unter dem Maibaum, kaufen Sie für die Liebste daheim einen Strauss Blumen noch eine Rose für die Julia dazu und flanieren Sie weiter durch unsere schöne Stadt, nach Hause.

In der Blogparade vor mir war mein Freund und Blogger Lutz Prauser und nach mir wird sich das Blog Revvet München zum Thema machen.

 

3 Antworten

  1. 1. August 2015

    […] Alexander schlendert mit uns über einen der schönsten Märkte Münchens. Dabei gibt es Tipps vom Einheimischen und persönliche Anekdoten: Der Münchner Viktualienmarkt […]

  2. 16. Januar 2016

    […] folgt Doris Schuppes Tipps über Networking in München.  Auf meinen Text folgt der Beitrag von Alexander Broy über den Münchner Vikutalienmarkt. Ich habe die Gelegenheit genutzt und Alex gebeten, für mein Blog ein paar Fotos zu machen… […]

  3. 11. November 2016

    […] sehr mir der Viktualienmarkt Heimat bedeutet, habe ich ja in einem anderen Artikel schon geschrieben und ganz oft schon wollte […]

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