Ribba ist für mich gestorben – mal wieder Rahmen …

Ribba alt und neuEs gab mal eine Zeit, in der man bei IKEA tatsächlich einen gewissen Qualitätsanspruch hatte. Eines der tollsten Produkte aus dem Sortiment des schwedischen Möbelhauses war RIBBA, ein Bilderrahmen, der – man möchte es kaum mehr für möglich halten – früher tatsächlich aus Holz war. Was die Topfplanzen, Gläser und Teelichter für andere, insbesondere weibliche Kunden war, ist für mich Ribba gewesen. Bei jedem Besuch in Eching bei München, lud ich unbesehen ein paar Ribbas in verschiedenen Größen in meinen Einkaufswagen. Ein Holzrahmen, ein Passepartout und einen Glasscheibe, zu einem Preis, der in etwa dem Glaspreis beim Glaser entsprach, das war für mich als Künstler ein sensationelles Angebot. Man konnte die Rahmen im Atelier dann auf jedes beliebige Format zuschneiden, denn RIBBA war ja aus Holz und deshalb war das mit der Gehrungssäge kein Problem.

Bilderrahmen vom FlohmarktEines Tages, irgendeines meiner unzähligen Familienmitglieder stand der Sinn wohl wieder nach Pressspanmöbeln, (vielleicht wollte auch ich einen Kallax für meine Vinylplatten erwerben, ich weiss es nicht mehr) jedenfalls schob ich mal wieder missmutig meinen riesigen Einkaufswagen in Schlangenlinien um und durch die fettärschigen Menschenmassen. Allein das Publikum, welchem man in einem Möbelhaus ausgesetzt ist, kann einem den Appetit auf Kötboller gründlich verderben, würde man die ohnehin niemals essen. Samstags bei IKEA fühlt man sich wie in einer RTL2 Reality-Soap, aber ich schweife mal wieder ab.
Abgelenkt durch Dichtestress und Kindergeschrei lud also wieder mal ein Dutzend Rahmen in meinen Wagen und drängte zum Ausgang, um so schnell wie möglich aus diesem Kinder- und Elternparadies raus zu kommen.

Ansichtskarte St. Tropez

Ansichtskarte St. Tropez

Ein paar Wochen später ich rahmte gerade ein paar Bilder für einen Ausstellung, traute ich meinen Augen nicht. Ribba war nicht mehr aus Holz, sondern aus irgendeinem schwindligen Pappendeckel mit Holzdekorfolie beklebt. Für mich ist so ein Moment immer wieder ein Stück Untergang meines geliebten Abendlandes. Das ist so, als entdecke man Polyester in Tweedanzügen, Zuckerkulör im Whisky oder Glutamat in der Weißwurst.

Jetzt muss ich sehen, wie ich die neuen Ribba-Rahmen fachgerecht entsorge. Immerhin kann ich noch Glas und Passpartout verwenden, aber wo bekomme ich jetzt günstige Bilderrahmen her? Denn nicht immer möchte man aufwändige Rahmenbauprojekte starten. Gerade bei kleineren Arbeiten und Druckgrafiken, macht nämlich der Rahmen sonst schnell einen zu grossen Teil am Gesamtpreis aus.

Flohmarkt Frankreich BilderrahmenGemäß der Gewissheit, dass früher alles besser war, schlendere ich des öfteren über Flohmärkte und nirgendwo kann man diese Weißheit besser bestätigt finden, als dort. Ob es nun Bierkrüge, Werkzeug oder eben auch Bilderrahmen sind: alles was vor den 1960er Jahren hergestellt wurde, ist besser.
Auf unserer Reise in Cogolin und Grimaud waren mein Malerfreund Günter Frey und ich auch auf zwei sehr schönen Flohmärkten und konnten ein paar wunderschöne Rahmen aus massivem Holz mit zum Teil wunderschönen Intarsien und Holzeinlegearbeiten für ein ein paar Cent oder Euros erwerben.
Ich verschicke ja gerne selbstgemalte Ansichtskarten von meinen Reisen, da freuen sich die Empfänger um so mehr, wenn es später nach meiner Heimkehr noch schöne Rahmen dazu gibt. Der Dreck und der Staub, der von ein paar Jahren Kelleraufenthalt und zum grossen Teil vom Flohmarkt selbst zu stammen scheint, ist schnell entfernt und eine einzigartige und ureigene Patina bleibt und macht den Rahmen für mich nur noch wertvoller.
Am Wochenende ganz in der früh über einen Flohmarkt zu schlendern, ist auch so viel entspannender, als irgendein blödes Möbelhaus zu besuchen und so ende ich heute mit den Worten:
pseudoschwedischer Akzent: „Wir bei IKEA, haben für Dich jetzt (kleine Pause)… gar nichts mehr, farväl !

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