Heiligenblut ohne Schnee und die Gippa-Kapelle in der Sonne

Gippa Kapelle Heiligenblut

Gippa-Kapelle Heiligenblut

Manchmal ist das Leben gut zu mir und ich kann das, von meinem schlesischen Freund, dem Gryphius Anderl, vielbeschworene Jammertal verlassen und in die luftigen Höhen der Berge vorstossen. Freunde haben einen circa 400 Jahre alten Bergbauernhof am Fuße des Großglockners und luden uns ein, dort die Jahreswende zu begehen. Mit Ferien und Urlaub habe ich es ja nicht so, denn Künstler arbeiten nie immer, also packte ich meine kleine Malbox und wir machten uns auf den Weg. Der Hof liegt idyllisch über Heiligenblut an die steilen Almweiden gepresst und trutzt dort seit Generationen Zeit und Wetter. Weitgehend im Orginalzustand, lebt man dort wie vor vielen Jahrhunderten allerdings immerhin schon mit Elektrizität und fliessendem Wasser aus einer Bergquelle. Wenn die einzige Wärmequelle, der wunderschöne Holzofen, die Stube heizt und man bei Speck, Brot und Marillenbrand beisammen hockt, dann spätestens merkt man, dass man im Grunde nicht viel mehr zum Leben benötigt. Die luxuriösen Annehmlichkeiten, die ich von der Seiseralm gewöhnt bin, vermisse ich nur kurz, einmal beim Ankommen und dann wieder bei der Abreise, wenn man sich auf eine heiße Dusche und einen Porzellanabort freut. Glücklich, wer wie ich beides erleben darf.

Gippa Kapelle HeiligenblutDer Großglockner ist ein schöner Berg, ganz anders, als der Langkofel, aber kaum weniger beeindruckend. Jeden Tag male ich ein Bild. Ich wandere mit meiner kleinen Plein-Air Pochade, einem selbstgezimmerten Schachterl, in dem ich Farben und kleine Leinwände unterbringen kann und die auf einem leichten Reisefotostativ befestigt wird, durch die Berge und male. Vor fast 10 Jahren war ich schon einmal zu Ostern hier und erinnerte mich an die kleine Gippakapelle, die ich damals zur frühen Ostermesse besucht hatte und pilgerte dorthin.

Gippa Kapelle Heiligenblut

Sie steht allein auf einem karstigen Feld und ist der Ort, der am aller längsten in der Sonne steht, während Heiligenblut und die umliegenden Bauernhöfer im Winter nur ein paar wenige Stunden Sonnenlicht tanken dürfen. Nachmittags ist sie deshalb auch ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer, ich bin allerdings schon zu Mittag da, damit ich noch einen Streifen Sonne auf ihrem Seitenschiff sehen kann. Einmal male ich sie aus der Ferne, dann an einem anderen Tag noch einmal näher. 

alexander broy malerSchnee gibt es leider keinen. Ich weiss, dass der Klimawandel, sowie auch die Evolution für manche nicht ganz so aufgeweckte Zeitgenossen, ein ausgemachter Schwindel ist, aber ich stehe am 30. Dezember auf einer braunen Almwiese ohne ein einziges Flöckchen Schnee. Die faulen Sportskanonen, welche sich gerne von Skiliften auf den Berg schaufeln lassen, bekommen vom Tourismusverband ein schmales Kunstschneeband durch die Berge gezogen, damit die hässlichen Stahl- und Betonstreben nicht völlig nutzlos die Landschaft verschandeln. Dort kratzen und rutschen sie herunter und gleich wieder hinauf, wie Kinder in einem Paternoster. „Wenn Gott gewollt hätte, dass der Mensch selber auf den Berg steigt, warum hat er dann die Skilifte erschaffen?“ Ich mag da nicht mitmachen und hätte doch so gerne echten Schnee.

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