Holzstöcke und Druck

Holzschnitt DetailDas Erstellen von Holzschnitten ist in vielfacher Hinsicht für den Künstler eine schmerzhafte Angelegenheit und damit meine ich jetzt nicht in erster Linie, dass er sich dabei das Schnitzmesser in die Hand rammt, oder eine Fingerkuppe kürzen könnte. Nein, es ist der Gestaltungsprozess selbst, der ein Zerstörerischer ist. Im ersten Gang wird eine Zeichnung zerschnitten. Ob man jetzt wie Dürer und viele seiner europäischen Kollegen direkt auf den Druckstock gezeichnet hat, oder wie die japanischen Künstler eine hochdünne Papierzeichnung auf die Platte geleimt hat, sie wird zerstört. Hat die empfindsame Künstlerseele dies gerade verkraftet und freut sich an ihrer Schnitzerei, droht bereits die nächste Verwüstung. Eine wunderbare Reliefschnitzerei liegt vor dem Künstler. Die warmen Holztöne in der Maserung scheinen an manchen Stellen mehr und an anderen weniger durch. Licht und Schatten spielen auf dem dreidimensionalen Werkstück, doch dann kommt die Farbe. Eine schwarze undurchdringliche Schicht verdeckt auf einmal die schöne Holzoberfläche, läuft in die feinsten Ritzen und Furchen und verdreckt die schöne Schnitzarbeit.

Karl Schmidt Rottluff - Die Holzstöcke Hirmer Verlag, München

„Karl Schmidt Rottluff – Die Holzstöcke“ Hirmer Verlag, München

Erst wenn die Farbe auf dem Druckstock auf dem Papier ihre Spuren hinterlässt, ist diese Kunst wieder eine Schöpferische. Trotz der Druckfarbe bleibt der Druckstock doch auch ein eigenständiges Werk, dem eine Würdigung zusteht. Diesem Spannungsfeld aus Druck und Druckplatte widmete sich 2011/2012 eine Ausstellung des Brücke Museums in Berlin unter dem Titel: „Karl Schmidt-Rottluff: Die Holzstöcke“. Dazu gibt es ein wunderbares 480 Seiten starkes Buch, erschienen im Hirmer Verlag, München (Herausgeberin Magdalena Moeller), welches ich Ihnen gerne ans Herz legen möchte. Abgebildet sind darin jeweils ein Holzdruck des Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff und auf der gegenüberliegenden Seite ein Foto des dazu gehörenden Druckstocks.

Man sieht neben der Arbeitsweise des Künstlers – er hat anscheinend wie ein Wilder in das Holz hinein geackert – eben auch die Schönheit des Holzes, welches die Abbildung erschaffen hat.

SMaserung Holzdruckchmidt-Rottluff war Expressionist, das wilde Arbeiten, das Ungeplante, Ausdrucksstarke ist das Kennzeichen vieler seiner Werke. Was man an den Detailaufnahmen sehr gut erkennen kann, verliert sich in der Drucktechnik allerdings: die tiefe, wilde Maserung des Holzes.
Die schweren Walzen der Druckpressen, quetschten die Farbe so intensiv ins Papier, dass davon nichts mehr zu sehen ist. Das wollte der Künstler wohl damals so.

Ich persönlich finde es schade, ich spüre das Holz gerne noch im Papier und setze es manchmal auch als Gestaltungsmittel ein. Hier zum Beispiel, wenn ich einmal eine meiner Arbeiten zu denen Schmidt-Rotluffs montieren darf. Eine der Farbplatten ist ein billiges Kiefersperrholz. Die Maserung der Platte an den Beinen des Mädchens könnten auch die konzentrischen Wellen im Wasser sein, bei Schmidt-Rotluff ist die schwarze Fläche des Mantels, obwohl im Holz auch gemasert, tief schwarz.

Ich möchte für heute damit schließen, weiß aber schon ganz genau, dass ich eine Fortsetzung schreiben sollte, in der ich die Zeitgenossen Karl Schmidt-Rottluff und Shinsui Itō unbedingt gegeneinander stellen möchte. Das wird dann die neue Rubrik: Äpfel und Birnen.

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