Künstlertagebuch

Die Schedelsche Weltchronik von 1493

Schedelsche WeltchronikEines der faszinierendsten Druckerzeugnisse der Geschichte war sicherlich die 1493 erschienene „Nuremberger Chronik“ nach Ihrem Herausgeber Hartmann Schedel auch die „Schedelsche Weltchronik“ genannt. Sie war bestimmt das ehrgeizigste Projekt, welches nach der Gutenberg Bibel 1454 begonnen wurde. Ein paar junge, enthusiastische Nürnberger Patriziersöhne und Humanisten, zwei grosse Grafiker und Holzschneider, ein großzügiger Finanzier, sowie eine große Druckerei beschlossen unter der Leitung des Arztes und Humanisten Schedel ein Mammutwerk anzugehen, was die Welt bis dato noch nie gesehen hatte. Eine farbig illustrierte Weltchronik. Die gesamte Geschichte der Welt in einem Buch.

Nürnberg war im 16. Jahrhundert die Hochburg des Humanismus. Melanchton verglich das Ansehen Nürnbergs zu seiner Zeit mit Athen und Rom. Schedel, Conrad Celtis, Löffelholz und Pirckheimer standen hier im regen Austausch. Wissenschaftler wie z.B. Martin Beheim (der Erfinder des Globus) die Astronomen Regiomontanus und Johannes Werner hielten sich alle in Nürnberg auf, obwohl die Stadt zu dieser Zeit gar keine Universität aufzuweisen hatte. Was es hier aber gab, waren Handwerker, Grafiker, Buchdrucker und reiche Patrizier, welche die Künste und die Wissenschaft hochhielten und finanzierten. WEITERLESEN… »

Etagere – Revival der Überflüssigkeit

EtagereNichts ist so dämlich und überflüssig, als dass es nicht doch noch in unserer verblödeten Zeit ein Revival erfahren könnte. Ich meine jetzt im speziellen nicht Nationalismus oder preussisches Untertanentum, die auch wieder salonfähig zu werden scheinen, sondern etwas ein klein wenig harmloseres, nämlich die Etagere. Stimmt’s Sie hätten nicht gewusst, wie das komische Ding hiess, welches sie von ihrer Großmutter geerbt hatten und dann mit einer gewissen Ratlosigkeit im Gesicht auf dem Flohmarkt verkaufen wollten, wenn Sie nicht dieses Foto hier gesehen hätten?
Ja dieses Ding mit den übereinander gestapelten Tellern hat einen Namen. Und dazu auch noch – wie könnte es anders sein – einen sehr vornehmen, französischen. Étagère eigentlich, sogar mit zwei Accents, einem Accent aigu und einem Accent grave. Accente so viel wie Etagen. Das ist aber nicht immer so, weil es auch dreistöckige gibt und weil die französische Sprache eben nicht logisch ist. Dieser elegante Tischaufsatz stammt noch aus dem Barock, darauf wurden kostbare Pralinés, Petit Fours oder exotische Früchte angeboten. In neuerer Zeit, also im letzten Jahrhundert servierte man möglicherweise darauf noch die Scones für den Fünfuhrtee, aber ansonsten war das Gestell verschwunden. WEITERLESEN… »

Eine Frage der Größe … Bildformate

Girlfriend Punkte

„Pornographie ist die Phantasie aus der Ferne I“, Broy, 1994, Dispersion auf Leinwand

Richtige Großformate zu malen ist für einige Künstler das größte. Oft geht es ihnen allerdings dabei vor allem, als ein solcher ernst genommen zu werden. Große Bilder suggerieren man habe entweder reiche Sammler mit riesigen Wänden in beeindruckenden Villen oder gar berühmte Museen, welche diese großformatigen Werke regelmäßig ausstellen. Tatsache jedoch ist, dass die meisten der riesigen Dinger vor allem Platz im Atelier wegnehmen. Meine wenigen wirklich „großen“ Werke sind fast alle immer noch in meinem Besitz, ausser einem, welches vor vielen Jahren aus meinem Atelier gestohlen wurde.

Hilfreich bei diesem Gigantismus ist, dass die meisten Groß-Maler ihre Werke ohnehin sehr abstrakt anlegen, damit reduziert sich der Arbeitsaufwand enorm und auch der nicht ganz so Fleissige ist in der Lage in Größen von mehr als zwei oder drei Metern zu arbeiten.
Man stelle sich vor, der moderne Maler solle ein riesiges Schlachtengemälde für seinen Kunden, einen großen Feldherrn oder König erstellen. Drei auf vier Meter und dann müsste auch noch Rekrut Franz Hintermoser, ganz hinten in der linken Ecke, einen schmerzhaft, grimmigen Gesichtsausdruck bekommen, wenn er einen Säbelhieb auf den Deckel bekommt. Der Drang nach Größe wäre auf einmal ganz klein. Mit Malerrolle und Spachtel dagegen, kann man sorglos und frei eine künstlerische Groß-Attitüde vortäuschen und steht als wilder, expressionistischer Freigeist im großen Rahmen da. WEITERLESEN… »

Die Wächter des Louvre

Eiffelturm ParisIch war noch nie im Louvre. In Paris war ich schon recht häufig. Ich war dort zweimal als Schüler mit einem Freund. Ich habe dort schon gearbeitet, habe als Kameramann einen Film gedreht und war später dort wieder mit meiner Frau, in so etwas wie einer kurzen Hochzeitsreise. Ich war im Musée d’Orsay, im Centre Pompidou, bei Rodin usw. aber ich war nie im Louvre. Es ist nicht so, dass ich nicht schon oft vor dem Louvre gewesen wäre, ich war auch schon ein paar Minuten in der Warteschlange. Ich liebe Paris im April, in Springtime und auch im Winter, aber vor und bestimmt auch im Louvre geht’s zu wie am Stachus und das ertrage ich einfach nicht. Ich kann nicht. Die Vorstellung, dass ich die Menschenmassen ertragen muss, die sich lärmend, hastend, neuerdings auch Selfie-knipsend, vor den Bildern drängen, die ich schon mein Leben lang so gerne sehen wollte, macht mich traurig und wütend zu gleich. WEITERLESEN… »

Ribba ist für mich gestorben – mal wieder Rahmen …

Ribba alt und neuEs gab mal eine Zeit, in der man bei IKEA tatsächlich einen gewissen Qualitätsanspruch hatte. Eines der tollsten Produkte aus dem Sortiment des schwedischen Möbelhauses war RIBBA, ein Bilderrahmen, der – man möchte es kaum mehr für möglich halten – früher tatsächlich aus Holz war. Was die Topfplanzen, Gläser und Teelichter für andere, insbesondere weibliche Kunden war, ist für mich Ribba gewesen. Bei jedem Besuch in Eching bei München, lud ich unbesehen ein paar Ribbas in verschiedenen Größen in meinen Einkaufswagen. Ein Holzrahmen, ein Passepartout und einen Glasscheibe, zu einem Preis, der in etwa dem Glaspreis beim Glaser entsprach, das war für mich als Künstler ein sensationelles Angebot. Man konnte die Rahmen im Atelier dann auf jedes beliebige Format zuschneiden, denn RIBBA war ja aus Holz und deshalb war das mit der Gehrungssäge kein Problem. WEITERLESEN… »

Leidenschaft – Blogparade

Manschettenknöpfe Ars AmorFragt man mich nach meinen Leidenschaften, dann muss ich mit einer Gegenfrage antworten: „Hast du denn a Bisserl Zeit?“ Es sind ihrer so viele und mit welcher soll ich beginnen? Zum einen sind es natürlich schöne Frauen, überhaupt die Liebe und die Kunst. Aber auch die Münchner Weißwurst und das Weißbier sind echte, brennende Leidenschaften. Die Berge, das Meer, überhaupt die Natur (wenn ich sie alleine geniessen darf) … Meine Heimatstadt München, Musik, Literatur, Pfeife rauchen, Philosophie, Bars, Cocktails, Tweedanzüge,  … Mein Gott, es wäre einfacher aufzuzählen, was ich nicht leidenschaftlich liebe und betreibe. Aber das weiss der Leser meines Blogs natürlich; es sind doch meine Leidenschaften, über die ich an dieser Stelle immer wieder schreibe. WEITERLESEN… »

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