Wallfahrt nach Andechs

Andechs Klosterkirche

Hin und wieder überkommt einen ein inneres Bedürfnis nach Sammlung, Kontemplation und Spiritualität. Die einen wandern dann über den Jakobsweg nach Santiago de Compostela, ein anderer betet sich ums Himalaya herum oder pilgert gar nach Mekka. All diese beschriebenen Optionen sind für mich eigentlich nichts, denn wer weiss schon wie das Bier in Portugal schmeckt und in Mekka wird es weder Schweinshaxe noch Bier geben, daher ein trostloser Ort für mich. Für mich gibt es in dieser spirituellen Stimmung immer nur die Wallfahrt nach Andechs.

So schwang ich mich am Montag – weil am Sonntag geht’s auf Andechs zu wie am Stachus – aufs Radl (Fahrrad). Das Wetter war trocken, nicht zu heiss, grad recht für eine zünftige Tour. Ich startete diesmal beim Kloster Fürstenfeld und auf dem so genannten Zellhofweg nach Schöngeising dann weiter durch den Wald über den Jexhof zum Wörthsee, Strassen versuche ich so gut wie möglich zu vermeiden.andechslupeKurz hinter Steinebach sehe ich dann auf dem Feldweg nach Hechendorf zum ersten Mal den Heiligen Berg. Klitzeklein ist er und einen nicht ganz so entschlossenen Pilger könnte dieser Anblick schon entmutigen. Circa eine Stunde bin ich schon geradelt und immer noch zuversichtlich und beseelt von der Reise durch die überwältigend schöne Oberbayerische Landschaft.

Andechs über WiddersbergAn der kleinen Seejungfrau am Pilsensee mache ich eine kurze Rast, fotografiere ein wenig und lockere die Wadeln, denn jetzt beginnt der schmerzensreiche Aufstieg über Serpentinen auf den Rücken der Ammerseemoräne. Fünfzehn Minuten Gestrampel im ersten bis maximal dritten Gang, dann geht es leicht hügelig, hoch über dem Ammersee, der linker Hand immer wieder durch die Bäume blitzt, an der Strasse entlang.

Andechs über Widdersberg Trek SavyerAndechs WallfahrerImmer wieder lässt sich die Klosterkirche auf dem Berg blicken und ruft den wackeren Wallfahrer und nach weiteren fünfzehn Minuten bin ich am Ortsschild, welches mich herzlich begrüßt. Das letzte Stück bis zum Radlständer direkt vor der Schenke wird noch mal steil und kernig im Stehen bewältigt.

Eine Horde betrunkener Japaner auf dem Rückweg freut sich über den Anblick des durchgeschwitzten Radlers in Krachledernen: Wieder etwas für den Fremdenverkehr getan.

Andechs Klosterkirche PietaSeit dem Jahre 1080 gibt es die „Burg“ Andechs, seit 1394 ist der Berg (durch seinen Reliquienschatz) heilig und seit 1455 ist dort ein Benediktinerkloster. Schon ein früherer Schlesier, nämlich der Breslauer Kardinal Adolf Bertram, verspürte so wie ich eine besondere Verbindung zu diesem Ort und stiftete ihm Schädelreliquien der Hl. Hedwig.

In der Schmerzhaften Kapelle, die bestimmt so heisst, weil der Weg gerade für die Radlfahrer hier hoch so schmerzhaft ist, wurde Karl Orf beerdigt. Spektakulärer aber ist die wundervolle, fast lebensgrosse geschnitzte Pieta in dieser kleinen Seitenkapelle. Andechs Klosterkirche AltarDas Attribut Spektakulär trifft im übrigen für die gesammte Rokkoko-Kirche zu. Johann Baptist Zimmermann aus Wessobrunn hat sie zum 300-jährigen Jubiläum in jedem Detail üppig und überaus kunstfertig ausgeschmückt. Gemälde, Stuck, Marmor und Gold wohin man sieht: atemberaubend.

Nach der andächtigen Bewunderung dieser heiligen Stätte, geht der von der übermenschlichen Anstrengung durstige Wallfahrer dann hinüber in die Klosterschenke, um seine wohlverdiente Fastenspeise zu sich zu nehmen. Die gegrillten Schweinshaxen sind nirgendwo so kross und zugleich saftig und kaum ein Bier kommt an das Andechser heran. Andechs Schweinshaxe Weissbier MaßSowohl das Helle, als auch das Weißbier sind wunderbar. Der über die Landesgrenzen so berühmte Andechser Doppelbock schmeckt mir persönlich nicht, ich bin kein Bockbiertrinker.

Den Rückweg – obwohl die Wadeln schwer von den Bieren und der Bauch randvoll mit Haxe sind – radele ich in mehr oder weniger lockeren eineinhalb Stunden.

Waren Sie schon auf dem Heiligen Berg, lieber Leser? Oder haben sie gar weitere Tipps für eine gepflegte Wallfahrt? ich freue mich wie immer über Kommentare.

Von der nächsten Wallfahrt nach Andechs habe ich Euch ein Video (VLOG) mitgebracht.

 

5 Antworten

  1. Lutz Prauser sagt:

    Pilgernde und wallfahrende Protestanten, die mehr auf den Schweinebraten als die Spiritualität aus sind…
    Und leise dreht sich der große Reformator in seinem Grab um und weint…

  2. Servus Alexander,

    als wöchentlicher Andechsgeher – und das seit gut 40 Jahren und wohl einiges mehr – freut mich, das Du den Geist des Heiligen Berges verinnerlicht hast. Das Radl, aber auch die S-Bahn, das Ammersee-Schiff (von Stegen aus z.B.) sind die richtigen Fortbewegungsmittel, um sich vorfreudvoll anzunähen. Nicht abrupt, wie mit der Benzin- oder Dieselkutsche, sondern allmählich und in wohlfeiler Ruhe.

    Allerdings bleibt bei den bisherigen zwei, wenig sachkundigen Kommentaren zu Deinem schönen Exkurs festzuhalten, dass sie sehr, sehr unpassend und auch noch falschen Inhalts sind.
    Protestanten kennen keine Wallfahrten, es sei denn, sie beteiligen sich im ökomenischen Sinne an denen der Katholiken. Ob sie statt der Andechser Haxn Schweinsbraten vorziehen, ist sicherlich nicht erhoben, sondern eher eine deutlich unkundige Behauptung. Gleiches könnte ebenso gelten für die katholischen Pilger und Besucher, die hier wohl Hausrecht reklamieren mögen, sich aber dennoch in eine internationale Besucherschar einordnen müssen und dort zu gewissen Jahreszeiten gar in der Minderheit sind. Und der „große Reformator“, zu Leb-, oder besser Wirkzeiten, keinesfalls als solcher gesehen, war eher ein sehr weltlich zugeneigtes Mönchlein. Er würde sich keinesfalls „grün vor Neid“ in seiner Grablege umdrehen, denn „das Fressen und Saufen“ war ihm so geläufig, das man fast von einem Lebenszweck sprechen kann. Das die Lutherin selbst eine Bierbrauerei betrieben hat, entsprach weniger christlicher Nächstenliebe, sondern einem schlichten wirtschaftlichen Kalkül. Also ist Dein Ansatz völlig aus der Luft gegriffen.

    Übrigens: wer gerade fastet, sollte unbedingt den Obatzten, einen Radi und eine große ofenfrische Brezn in Betracht ziehen, später dann gefolgt von der ausgezeichneten Auszogenen.
    Auch das is typisch für Andechs und nicht nur die reschen Haxen.

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