Reisevorbereitungen Plein-Air Malreise

Feldstaffelei Plein Air MalereiWenn jemand eine Reise tut,
So kann er was verzählen;
Drum nahm ich meinen Stock und Hut,
Und tät das Reisen wählen.

Diese ersten Zeilen kennt als geflügeltes Wort vermutlich jeder, aber wer hat sich schon die Mühe gemacht weiter nachzugraben? Aus gutem Grund, weder der Text von Matthias Claudius, noch die Vertonung von Ludwig van Beethoven gehören zu den erhabensten Werken deutscher Kunst. Einzig amüsant ist die satirische Darstellung des tölpelhaften Reisenden und der Seitenhieb auf den damaligen Trend zur Reiseliteratur. Urian hat im Grunde nach seiner Weltreise gar nichts Interessantes zu verzählen, außer dass es überall auf der Welt einen Haufen Idioten gibt. Das sollten sich vielleicht ein paar Reiseblogger zu Herzen nehmen, auch dort wir mehr langweiliger Unsinn verzählt, als wichtige Erkenntnisse.

Feldstaffelei Plein Air MalereiAber das wollte ich eigentlich überhaupt nicht ausführen, ich wollte von meinen Reisevorbereitungen zu meiner Malreise nach Südfrankreich berichten. Ich fahre mit meinem Freund Günter nach Port Grimaud, um dort zu malen. Ja, wir fahren. Fliegen wäre zu einfach und auch viel zu schnell. Wir würden ewig auf unsere uns nachreisenden Seelen – die ja bekanntlich zu Fuß gehen – warten. Wir fahren mit dem Nachtzug, also nicht nur mit dem, sondern mit einem Haufen weiterer Züge, Busse und sonstiger öffentlicher Nah- und Fernverkehrsmittel. Mein Freund Oliver, ein profunder Kenner des deutschen Liedgutes, wies mich – als ich ihm von unserem Nachtexpress von Straßburg nach Saint Raffael erzählte – auf folgendes, auch keine viel größere Sternstunde der Kunst darstellendes, Lied hin.Teddy Parker reist darin mit dem Nachtexpress nach St. Tropez, was ja gleich nebenan liegt.

Ich fürchte unser Nachtzug wird alles andere als komfortabel sein, wird an an jedem Milchkandl anhalten und mit all den anderen Verkehrsmitteln, werde ich vier bis fünfmal umsteigen müssen. Deshalb verbietet sich selbstredend jede Form von großem Gepäck. Auf der anderen Seite machen wir ja keinen Urlaub (Definition: dienst-, arbeitsfreie Zeit, die jemand zum Zwecke der Erholung erhält) sondern wir wollen ja dort ernsthaft arbeiten und das bedeutet bei uns Malern viel Gepäck. Jetzt könnte der Leser einwenden, man müsse ja nicht immer großvormatige Ölschinken produzieren, auch eine Bleistiftzeichnung habe ihren Reiz und hätte damit recht, aber diesmal muss es eben Öl sein, mit Leinwand, Staffelei und dem ganzen drumherum.

Feldstaffelei als Rucksack tragenMeine Staffelei ist mit mir schon auf dem Schlitten quer über die Seiseralm gefahren, auf dem Radl durch den gesamten Landkreis Fürstenfeldbruck, auf den heiligen Berg und so weiter, aber diesmal habe ich kein Gefährt, sondern ich muss sie tragen.
Es gibt noch andere Künstler, genauer gesagt Musiker, die schwer an ihrem Gerät zu schleppen haben und bei diesen holte mich mir ein paar Anregungen. Dies ist mein Life-Hack für Plein-Air Maler: Die Feldstaffelei mit dem Cello-Rucksackgurt. Beim Probelauf durch den Garten, erwies sich meine Konstruktion als leidlich bequem. Ich werde bald berichten können, wie es sich in der freien Natur mit dem Tragekomfort verhielt.

Ein weiteres Problem stellen die Maluntergründe dar. Ich möchte für zehn Tage zehn Leinwände mitnehmen (ja, ich weiss das ist sehr ambitioniert) Mit zehn Leinwänden auf Holzrahmen gespannt in den Maßen 40×50 cm über zwanzig Stunden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch Europa?
Ich entschied mich dann doch für Malpappen. Das sind mit Leinwand bespannte Pappkartons. Diese haben den Vorteil recht flach zu sein, allerdings sind sie leider recht schwer.
Aber was ist auf dem Rückweg, wenn die Dinger mit Ölfarbe bemalt sind?
Frisch bemalte, klebrige, pappige Pappen?
Die werde ich mir mit der Post, DHL, UPS oder sonst wem zurück nach Nürnberg schicken, aber auch damit löst sich das Problem der Klebrigkeit frischer Farbe nicht.
Ich brauchte auch hier für einen Life-Hack für den reisenden Pleinair-Maler. Mein Atelier/Werkstatt ist mit Frästisch und Tischkreissäge für Holzarbeiten perfekt ausgestattet, also bastelte ich mir kurzerhand zwei Leinwandabstandshalter, die ich auf dem Hinweg an die Feldstaffelei schraube und auf dem Rückweg ins Postpaket legen werde.

Feldstaffelei Plein Air Malerei

Wünsche Sie mir Glück und eine gute Reise und das alles so klappt, wie ich das geplant und gebastelt habe.

4 Antworten

  1. Herr Broy, ehrlich …. mein Mitleid hält sich in sehr engen Grenzen. Außerdem erkenne ich gewisse Vorbereitungnachlässigkeiten, die weniger mit dem schwaren Gepäck zu tun haben: wurde denn die absolute Pflichtlekture für eine Malerreise nach Südfrankreich entweder vorab gelesen oder aber wird sie im Gepäck mitgeführt, besser allerdings direkt am Mann?

    Helmut Domke, Provence, 1961 + 1984, Prestel Verlag – nur noch antiquarisch

    Grüß aus München, Bodo

    • Lutz Prauser sagt:

      Wenn Sie der Herr Bodo sind, von dem ich annehme, dass Sie es sind, wird uns wohl über längere Zeit die bindende Kraft zwischen uns beiden für die freitägliche Weißbier-Veranstaltung abgehen. Der Herr Broy. Ich rechne nicht mit baldiger Rückkehr. Verarmt, überschuldet und der Betrügerei bezichtigt, wird man die Maler nach Monte Christo bringen und dort einkerkern. Und man weiß ja, wie so etwas endet. Man las ja davon.

  2. Lutz Prauser sagt:

    Je mehr man plant, um so mehr kann in die Hose gehen; im übertragenen Sinn natürlich, mein Bester.
    Lassen Sie sich das vom Erfinder der Spontanität – also mir – sagen. Ich plane zu viel, also geht ständig was… lassen wir das.
    Gerade die Künstler sind doch sonst ein eher unstetes,flüchtiges Gschwerl, das sich von der Muse mal hierhin, mal dorthin in die weite Welt locken und dann küssen lässt – spontan, intuitiv und nicht selten ohne groß darüber nachzudenken.

    Aber, mein Teuerster ein wohlmeinender Rat: Seien Sie auf der Hut, vor dem Franzos… – das hat mein Ur-Urgroßvater auch schon immer gesagt.

  1. 13. September 2016

    […] letzte Reise führte mich zwar auch an so eine Art Meer, ich war an der Côte Azur, wie hier schon zu lesen war. […]

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