Ein Besuch im Hutmuseum – Hut Brömme in Nürnberg

Hutmuseum Brömme Nürnberg

Hutmuseum Brömme Nürnberg

Den Münchner Herren hat es vor ca. 4 Jahren schon etwas weh getan, als nach 178 Jahren der Hutmacher Joh. Zehme das Traditionshaus in der Perusastrasse aufgegeben hat und München damit den letzten gute Hutmacher gegen eine Pradafiliale eingetauscht hat.
Schicki-Micki-Mode : Gentleman-Kultur 1:0. Im Räumungsverkauf erstand ich damals noch eine wunderbar weiche Kaschmir-Tweed-Mütze aus eigener Herstellung, die mir ein Jahr später ein Windstoß von der Brucker Brücke in die Amper blies. Gut das ich dort weg bin und noch besser, dass ich jetzt in Nürnberg lebe, wo immer noch ein wahrer Leuchtturm der Hutkultur steht und weithin ins Land strahlt. Hut-Brömme (1878) ist noch eines der wenigen Unternehmen, welches seit vielen Generationen im Familienbesitz ist. Ich habe ja bekanntermaßen eine Schwäche für solche Traditionshäuser, strahlen Sie doch für mich einen ganz besonderen Glanz der Kultur und Tradition aus. Wie ich eben immer Freitags in Georg VI. Schneiders Weisses Bräuhaus  (seit 1872) meine Weißwurst esse und bei Georg Huber (seit 1863) meinen Tabak, Zigarren und Pfeifen erwerbe, so habe ich im Hause von Horst Brömme eine Anlaufstelle für ein gut behütetes Leben in Franken gefunden.KonformateurEs begann ganz harmlos mit einem ersten Besuch. Durch das wunderschöne, geschmiedete Zunftschild angelockt, betrat ich das kleine Ladengeschäft in der Inneren Laufer Gasse, um mich einfach nur einmal umzuschauen. Wirkt der Laden von außen recht winzig, entpuppt er sich beim Betreten der verwinkelten Räumlichkeiten als wahres Raumwunder. Als ich dann – schon mit einem wunderschönen Zapf-Hut in der Hand noch in die Katakomben geführt wurde, in denen sich das Hutmuseum befindet, war ich sprachlos. Herr Brömme und seine Mitarbeiter verkaufen nicht einfach Hüte, sie werden – wie es eigentlich überall selbstverständlich sein sollte – auch noch für den Kundenkopf auf Maß angepasst. Dazu stülpte man mir ein abenteuerliches Gestell aus Frankensteins Werkstatt – einen Konformateur – über den Schädel und hielt mir danach eine Lochkarte mit den topographischen Unzulänglichkeiten meines Kopfes unter die Nase. Mein Name wurde darauf notiert und ich musste mich von meinem  Modell „Wildalpe“ wieder trennen.

Brömme NürnbergHerr Brömme lud mich dann – vermutlich hat er meine neugierigen Blicke in die Werkstatt bemerkt – zu einer privaten Führung durch sein Hutmuseum ein. Ein Termin war schnell gefunden und so betrat ich ein paar Tage später mit Frau und Kind und einem ziemlich abgerockten Ausseer auf dem Kopf das Geschäft.

Auch wenn Herr Brömme diese Führung sicher schon tausende Male veranstaltet hat, so merkt man ihm immer noch die Begeisterung für das Handwerk der Hutmacherei an. Nichts klingt abgeschlissen oder ausgeleiert so wie mein Ausseer-Hut. Man hat das Gefühl der erste und einzige zu sein, der dieses Privileg erfährt. Die Augen des lebhaften älteren Herren leuchten, wenn er von seinen Besuchen bei Borsalino erzählt. Wir dürfen die wunderschönen weichen Haarfilze in jeder einzelnen Fertigungsstufe berühren. Mein Jüngster fühlt sich wie bei einer Live-Sendung mit der Maus und wir blicken uns ständig um, ob nicht doch Armin oder Christoph die Kellerräume von Herrn Brömme betreten.

Alexander Broy HutWir erleben live das Dämpfen der Stumpen in einer antiken Dampfglocke, das Ziehen, das Pressen und Formen in abenteuerlich alten Maschinen. Wir sehen und erfühlen, wie aus dem Filz feinsten Hasenhaars, seidig und samtiger Flor und Satin werden. Die Maschinen, die in Brömmes Museums-Werkstatt stehen, sind – so alt sie auch sein mögen – immer noch aktuell. Die ältesten Werkzeuge sind zugleich die neuesten. Das Handwerk des Hutmachers war vor 135 Jahren schon ausgereift, wie es auch bei der Technik des Holzschnitts seit Dürer und Hokusai nichts mehr zu verbessern gab. Neues braucht es nicht, weil das alte perfekt ist. Aus massiver Eiche sind die zu hunderten übereinander gestapelten Hutformen, die aus den unförmigen Filzstumpen Fedoras, Trilbys oder Homburgs machen und zeugen von Jahrhunderten wandelnder Hutmoden und unveränderten Klassikern.

Brömme NürnbergSchliesslich wird mein alter Ausseer von Herrn Brömme wieder in Form gebracht und mein neuer Zapf auf meinen Quadratschädel angepasst. Frau und Kind freuen sich schon auf den Sommer in ihren neuen Panamas und ich weiss genau, dass ich unbedingt noch einen echten Biber auf dem Kopf haben will, ich habe da schon einen im Auge, von Borsalino …

 

 

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