Die Schedelsche Weltchronik von 1493

Schedelsche WeltchronikEines der faszinierendsten Druckerzeugnisse der Geschichte war sicherlich die 1493 erschienene „Nuremberger Chronik“ nach Ihrem Herausgeber Hartmann Schedel auch die „Schedelsche Weltchronik“ genannt. Sie war bestimmt das ehrgeizigste Projekt, welches nach der Gutenberg Bibel 1454 begonnen wurde. Ein paar junge, enthusiastische Nürnberger Patriziersöhne und Humanisten, zwei grosse Grafiker und Holzschneider, ein großzügiger Finanzier, sowie eine große Druckerei beschlossen unter der Leitung des Arztes und Humanisten Schedel ein Mammutwerk anzugehen, was die Welt bis dato noch nie gesehen hatte. Eine farbig illustrierte Weltchronik. Die gesamte Geschichte der Welt in einem Buch.

Nürnberg war im 16. Jahrhundert die Hochburg des Humanismus. Melanchton verglich das Ansehen Nürnbergs zu seiner Zeit mit Athen und Rom. Schedel, Conrad Celtis, Löffelholz und Pirckheimer standen hier im regen Austausch. Wissenschaftler wie z.B. Martin Beheim (der Erfinder des Globus) die Astronomen Regiomontanus und Johannes Werner hielten sich alle in Nürnberg auf, obwohl die Stadt zu dieser Zeit gar keine Universität aufzuweisen hatte. Was es hier aber gab, waren Handwerker, Grafiker, Buchdrucker und reiche Patrizier, welche die Künste und die Wissenschaft hochhielten und finanzierten.Dürer JungSebald Schreyer wurde als Finanzier für die Nuremberger Weltchronik gewonnen und die grafische Werkstatt von Michael Wohlgemut und seinem Stiefsohn Wilhelm Pleydenwurff wurde für die Erstellung von 652!!! Holzschnitten beauftragt. Dieser Großauftrag, der die Auftragsbücher der Werkstatt für mehrere Jahre prall füllte, bescherte einem jungen überaus talentierten Nürnberger Jungen einen Ausbildungsplatz als Zeichner und Holzschneider: Albrecht Dürer.

Anton Koberger, der eine Druckerei am Egidienplatz mit 18 Druckerpressen und über 100 Mitarbeitern führte bekam den Druckauftrag.

Schedelsche WeltchronikDas Werk wurde in zwei Sprachen verlegt. Einmal in lateinischer Sprache, eine Sprache, welche bei den Gebildeten als Weltsprache fungierte und einmal auf deutsch. Die Gesamtauflage betrug wohl 1400 (656 Seiten) Exemplare in Latein und 700 (596 Seiten) auf deutsch. Ein finanzieller Erfolg war das Projekt jedoch leider nicht. Auf etwa 500 Exemplaren blieben die Herausgeber sitzen. Wer noch ein gut erhaltenes Original-Exemplar bei sich in der Bibliothek findet, könnte sich über einen geschätzten Verkaufspreis von ca. 200.000 Euro freuen, wird es aber sicherlich niemals hergeben wollen, denn dieses Buch ist wundervoll. Ich besitze leider nur einen Nachdruck des Exemplars der Herzogin Anna Amalia, welches 2001 vom Taschen Verlag mit einem hervorragenden Kommentar von Stephan Füssel herausgegeben wurde.

Die Chronik teilt sich in 7 Weltalter auf.
Von der Erschaffung der Welt bis zur Gegenwart.
und dann sogar noch einen Ausblick auf den Weltuntergang und das Jüngste Gericht.

Schedelsche Weltchronik NürnbergMich persönlich, der weder sonderlich gut Mittelhochdeutsch, noch Latein kann, sind vor allem die Holzschnitte interessant.
Sie sind allsamt handkoloriert, das heisst nicht farbig gedruckt, sondern schwarz und nachträglich bemalt.
Die Nürnberger konnten nicht farbig drucken, was bei den Chinesen und Japanern bereits seit dem siebten Jahrhundert Usus war.
Das ist natürlich etwas schade, aber jetzt bin ja ich hier.
Absolute Highlights sind für mich die Stadtansichten, die Karten und Ansichten von wichtigen Gebäuden aus der ganzen damals bekannten Welt. Manchmal großartig, manchmal auch rührend, wie auch der Behaim Globus hier im Germanischen Nationalmuseum, der ja ohne Amerika auskommen musste.

Für den bibliophilen Leser hier mein Tipp: Besorgen Sie sich, wenn schon nicht das Original, dann doch zumindest den Nachdruck, schmökern Sie, trinken Sie ein schönes fränkisches Kellerbier dazu (bitte nicht verschütten) und stossen Sie auf das Wohl der großen Nürnberger an, die hier etwas unbeschreiblich faszinierendes geschaffen haben.

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