Der Zauner in Bad Ischl

Zauner Bad Ischl aussenWenn es so etwas wie eine zweite oder vielleicht auch dritte Heimat gibt, dann ist es bei mir bestimmt das Salzkammergut. Die Gegend südlich von Salzburg war sowohl Sommerfrische als auch Wintersportort meiner Eltern, meines von mir so bewunderten „Onkels“ Walter und sogar schon meiner Großeltern. Eine kleine Pension in St.Gilgen am Wolfgangsee war dabei immer das Zentrum und ist es für mich immer noch, wenn ich nicht gerade oben in der Hauserhütte auf der Ladenbergalm logiere.

Für den einen ist St. Gilgen der Geburtsort Mozarts Mutter und Lebensmittelpunkt der Schweser Nannerl, aber mit dem Wolferl habe ich ich es nicht so sehr. Der politische Mensch erinnert sich, dass in den Achtzigern Bundeskanzler Helmut Kohl dort Urlaub machte, aber auch mit dem habe ich es nicht so.

Grosser BraunerDer Kaffeehaus-Connaisseur beschreibt den Weg nach St. Gilgen wie folgt: Das Nannerl liegt genau zwischen dem Tomasselli und dem Zauner, und mit diesen drei habe ich es sehr.

Im Hochsommer kann man den kleinen Ort am Fuße des Wolfgangsees kaum mehr besuchen, da ist alles voller beleibter Araber in Jogginganzügen in Begleitung ihrer Frauen, die dort vermutlich an einem Batman look-alike Wettbewerb teilnehmen. Das ist ein nicht ganz so schöner Anblick.
Aber ich wollte vom Zauner erzählen. Dort gibt es zwischen den Massen der Funktionskleidungs-Touristen tatsächlich immer noch den ein oder anderen feinen Trachtenanzug, Ausseer Hut oder eleganten Blazer zu sehen. Ich war am Wochenende quasi direkt von der Alm abgestiegen und als ich in Tweedanzug mit Bundhosen und Bergstiefeln auf die wahrscheinlich schönste Kuchentheke der Welt zutrat, wirkte ich vermutlich sogar für die Japaner etwas merkwürdig.

Zauner KuchenthekeDer Zauner, wer es irgendwann im Leben geschafft hat nur noch „Artikel“ und „Name“ zu sein, hat es im Leben geschafft. Ob „Die Garbo“, „Die Knef“ oder „Der Zauner“. Kein Mensch sagt jedenfalls „Die Konditorei Zauner“. Der Kurarzt Franz Wirer von Rettenbach, der Ischl zu dem gemacht hat, was es bis heute ist, und zwar eine der elegantesten Kur- und Kulturstätten Europas, holte einst (1830) den Wiener Zuckerbäcker Johann Zauner nach Bad Ischl, damit seine prominenten Kurgäste ein gescheites Café bekommen. Alles, was in der KuK Operetten-Monarchie Rang und Namen hatte, verbrachte den Sommer im meist verregneten Ischl. Selbstverständlich der Kaiser und die Sissi, Metternich, Johann Strauss, Bruckner, Brahms, Lehar, Nestroy, der Maler Ferdinand Georg Waldmüller und auch der von mir sehr verehrte Karl Kraus. Die Liste wäre unendlich fortzusetzen.

Zauner IgelUnd sie alle saßen im Zauner, tranken einen großen Braunen oder eine Melange und labten sich an Erdbeerroulade, Zaunerstollen und, wer es deftiger mochte, an den glasierten Kanapees. Vielleicht ist das das Einzige, das ich mit diesen großen und auch kleineren Geistern der Geschichte gemein habe, aber das soll mir genügen, wenn ich nur ein oder auch zwei Mal im Jahr im Zauner sitzen und genießen darf. Bei mir sind es immer ein, zwei große Braune, eine Erdbeerroulade und ein Stück Stollen. Die Kinder – ungeachtet ihres Alters – kriegen einen Zauner-Igel und alle sind glücklich. Danach flaniere ich über die Esplanade, sehe auf die Traun und die Lehar-Villa und vielleicht schaue ich auch mal beim Bittner (Hüte) oder Schauer (Trachten) hinein. Dieses Mal ging es für mich wieder zurück auf die Alm, aber nicht ohne für meine Lieblingssennerinnen einen kleinen Zaunerstollen in den Rucksack gepackt zu haben.

Zauner BuchWer jetzt Gusto auf einen Besuch dieser heiligen Stätte bekommen hat, dem empfehle ich noch das wunderschöne Bücherl: „Konditorei Zauner. Bad Ischl u. das Salzkammergut. Eine kleine Kulturgeschichte“, München, 1982 von Gaby v. Schönthan und Joseph M. Grumbach-Palme“. Man bekommt es antiquarisch oder neu an der Kassa im Zauner.

Lehar Villa Bad IschlNoch eines zum Schluss, aber meinen Lesern muss ich es eigentlich nicht extra sagen. Tut’s mir den Gefallen, seid’s so lieb und kommt nicht im Plastik-Gewand, auch wenn es fast immer regnet in Ischl. Ein schöner Stockschirm oder ein Hut schützen auch vor der Nässe und man schreitet in Würde.

4 Antworten

  1. Lutz Prauser sagt:

    Ist das dieser Zauner, wo man nicht tot drüber hängen will?

    Einmal den Stollen probiert und gleich an Übergewichtigkeit und Zucketschock gestorben…

  2. Alexander Broy sagt:

    Also wenn ich einmal irgendwo tot hängen wollen würde, dann im Zauner.
    Aber ganz abgesehen davon, es ist immer gut, wenn man dort eine Insulinspritze in Veterinärgrösse zur Hand hat und dann am besten gleich in die Fontanelle spritzen …
    Was das Übergewicht angeht, verhindert der Aufstieg auf die Alm das Ansetzen von Pölsterchen …

  3. Roland sagt:

    …eine sehr schöne Geschichte, die der Herr Kunstmaler aus München/Fürstenfeldbruck da geschrieben hat. Nur das mit der „K.u.K.Operetten-Monarchie“ kann ich als Halb-Wiener nicht so stehen lassen. Spricht da der Neid des Bewohners eines kleines ehemaligen Königreichs? Aber ich weiß schon, „mia san mia“… 🙂
    Viele Grüße
    Roland

  4. Alexander Broy sagt:

    … Ihr hattet die KuK-Zeit und wir die Prinzregentenzeit … Ach ja, ich vergaß: du bist ja auch ein halber Münchner, du hättest beides haben können. Jetzt wäre ich fast neidisch, aber ist eh Wurscht, weil beides vorbei ist …

    In manchen Momenten bedauere ich es.
    Wir haben die Freiheit, die Demokratie und vieles unbestreitbar Gutes leider mit dem Verlust an Kultur bezahlt … Tröstlich, dass es immer noch kleine Biotope, wie zum Beispiel den Zauner gibt …

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