Das Kloster Fürstenfeld

Kloster FürstenfeldEs gibt nicht viel, woran ich mich gerne erinnere, wenn ich an die kleine Provinzstadt am Rande der Landeshauptstadt denke in der ich eine Zeitlang lebte. Ich bin ein zutiefst urbaner Mensch und wenn ich kein reizvolles Pflaster zum Flanieren finde, dann werde ich unruhig, wenn nicht sogar unleidlich. Nur das Wandern in der Einsamkeit der Natur kann mir ein ähnliches Gefühl tiefer Befriedigung verschaffen. Ich brauche entweder Kultur oder Natur, mit den Lebensräumen dazwischen kann ich so viel anfangen, wie ein Goldfisch mit Laubwäldern. Schlossgraben oder Wildbach, beides ist okay, nur um mal bei der blöden Goldfischmetapher zu bleiben. Ein sehr weiser Mann hat einmal gesagt:

„Ich kann in keiner Stadt leben, in der es kein Opernhaus gibt, dabei gehe ich nie in die Oper …“

Fürstenfeldbruck selbst habe ich nie besonders gemocht, um so mehr aber das Umland. Am allermeisten die Amper, sie ist lieblicher kleiner Fluß und fliesst träge aus dem Ammersee durchs Ampermoos und dann mitten durch den Ort. Vielleicht noch das Kloster Fürstenfeld. Eine wunderschöne barocke Abtei der Zisterzienser, erbaut vom Münchner Hofbaumeister Viscardi, fertiggestellt von Ettenhofer, ausgestattet von den Asam Brüdern. Soviel zum „Namedropping“.

Kloster FürstenfeldMein Freund Günter und ich sind zwar schon einiger Kilometer kreuz und quer durch den Landkreis geradelt, aber das Kloster selber haben wir bisher nie gemalt. Als ich mal wieder in der Gegend war, habe ich natürlich sofort Günter angerufen, er ist jemand, dessen Gesellschaft ich hier in Nürnberg sehr vermisse. Das Wetter war novemberlich beschissen, also wollten wir nicht auch noch ganz weit raus fahren.

„Das Kloster, von irgendwo wird es doch wohl vernünftig zu malen sein“, meinte mein Freund. Also latschten wir stundenlang mit unseren Feldstaffeleien rundherum, den Engelsberg rauf und wieder runter, bis wir dann endlich einen ganz besonders kalten, zugigen Standort gefunden hatten, der einen einigermassen annehmbaren Blick aufs Kloster ermöglichte.

Kloster Fürstenfeld Alexander BroySonntags draussen zu malen ist an sich schon immer eine blöde Idee. Malen ist Arbeit und am Sonntag soll man schliesslich ruhen, ausserdem latschen unzählige Leute durch die Gegend, die einem gerne mal die Ohren von ihren eigenen Aquarell- oder Acrylmalereien abkauen. Gehen die eigentlich auch auf eine Baustelle und erzählen den Arbeitern, dass sie auch schon mal einen Wand geweisselt oder ein Fenster eingebaut haben?

Wir froren, hüllten uns in Zigarrenrauch und tranken wärmende Schnäpse aus dem Flachmann. Irgendwann erklärten wir unsere Bilder für vollendet, eilten ins Klosterstüberl und verzehrten ein Hirschgulasch und tranken Kellerbier. Endlich haben wir auch Bilder vom Kloster Fürstenfeld, allerdings von hinten, wo es erstens keiner erkennt und zweitens auch keiner ausser uns sehen will, oder vielleicht doch?

 

1 Reaktion

  1. Hättest Du die Leinwand nicht horizontal verwenden können, so daß mehr vom Kloster zu sehen gewesen wäre? Bei Deiner Schimpfkanonade auf FFB hat Du einen wichtigen Pro-Aspekt vergessen: die Nähe zu Alling, dem fleischlichen Hort gesunder Charolais-Rinder (ach ihr Ochsenbacken, Entrecotes, Bavettes, ihr Porterhouses und T-Bones, ihr wundervollen Ribeyes), was ist dagegen ein sonntäglich vergrautes, winterliches Kloster mit dem unsäglichen Kellerbier……. und dem vorausgenossenen Altmänner-Flachmanngetränk….
    Wärest Du entgegenkommender, so hätte ich Dir ein Panoramafoto vom Kloster rübergestreamt, wäre extra deshalb nach FFB gefahren. So hättet Ihr schön daheim in der warmen Stube malen können.

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